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Wenn Kröten wandern, herrscht Gegenverkehr!

Milde Frühlingstemperaturen ziehen die Erdkröten zu ihren Laichplätzen - Nabu hilft ihnen, dort auch anzukommen

von Jutta Trilsbach (Rhein-Neckar-Zeitung)

 

Mauer. Es ist ein erster warmer Frühlingsabend. Nach einem sonnigen Tag zeigt das Thermometer um halb neun noch 18 Grad an. Ideale Wetterbedingungen für Frühjahrsgefühle der Liebespärchen. Am Forstwaldteich ist daher der Ruf balzender Erdkrötenmännchen zu hören. Die Erdkröte (Bufo bufo) ist die häufigste einheimische Art der Kröten. Im Schutz der Dunkelheit kommen sie jetzt nach der Winterstarre aus ihren Erdlöchern im Forstwald und machen sich auf zum Laichplatz. Hier wurden sie geboren und kehren nach einer Wachstumszeit von 3 Jahren zum Laichen zurück. Doch der etwa 300 bis 500 Meter lange Weg aus dem Wald entlang der Erlenstraße bis zum Zielgewässer kann zur Todesstrecke werden. Von Autoreifen platt gefahrenen Kröten zeugen davon.

 

Diesen Krötentod wollen die Mitglieder der Nabu-Ortsgruppe verhindern und haben auch in diesem Jahr entlang der Erlenstraße zur Ackerwiese einen Schutzzaun errichtet. Mit dem Zaun und der Einsammelaktion wollen die Naturschützer auch um mehr Verständnis für die Kröten und Rücksicht im Straßenvekehr werben.

 

Mit Rainer Drös und dessen Tochter Laura, mit Taschenlampen und Eimern ausgerüstet, mache ich mich auf die nächtliche Helfertour, vom Schulhof aus Richtung Forstwald. Rainer Drös ist zunächst begeistert, denn das unverwechselbare trällernde Rufen von Wechselkröten auf einem privaten Gartengrundstück ist zu hören. "Die Wechselkröten sind sehr selten und anscheinend wieder hier im Ort", freut sich Drös. Das Grundstück können wir aber nicht betreten. Unser Interesse gilt ohnehin den Erdkröten.

 

In der Erlen- und langen Eichenstraße hocken unzählige Kröten, die wir in Eimer verfrachten und auf der Wiese oder im Teich in die richtige Richtung aussetzen. Denn bei der Wanderung herrscht Gegenverkehr: Einige Kröten kommen von der Paarung, die nur wenige Nächte dauert. Dann legen die Weibchen mehrere Tausend Eier in meterlange Laichschnüre im Wasser ab, die von Samen des Männchens, der ebenfalls im Wasser abgegeben wurde, befruchtet werden. Andere Kröten ziehen erst zum Ziel, dem Forstwaldteich.

 

Es sind vor allem die Männchen - mit ihren acht bis zehn Zentimetern deutlich kleiner als die Weibchen (bis zu 15 Zentimetern) - die sich hierher verirrt haben. Sie sind weitaus in der Überzahl. Haben sie großes Glück, werden sie von von "ihr" huckepack zum Laichplatz getragen.

 

Irgendwann hören wir auf, zu zählen. Laura ist sehr mutig und fleißig beim Einsammeln. das finde ich tapfer, denn mich kostet es alleine schon Überwindung, über den glitschigen Krötenkörper zu streichen. "Wenn die Kröten beim Hochnehmen ängstlich sind, krallen sie sich fest und pieseln mir auch mal auf die Hand", zeigt Rainer Drös. Doch sie Sicherheit für die Amphibien geht eben vor. Sehr froh sind Rainer und Laura Drös auch darüber, kleine Teichmolche zu finden und sie auf den richtigen Weg zu schicken.

 

Dann entdecken wir mitten in der Kurve und ausgerechnet vor dem Warnschild "Kröten" ein totes Pärchen, noch im Huckepack vereint. Eine Blutlache durchzieht den Ort des GEschehens. Wie sähe es hier wohl aus, wenn es den Schutzzaun oder die fleißigen Sammler der Ortsgruppe nicht gäbe? Das frage ich mich und mag mir dies gar nicht bildlich vorstellen. "Allein an drei Tagen haben wir Hunderte von Tieren aufsammeln können, aber wir können nicht alle retten, denn das geht so die ganze Nacht", bestätigt Drös, stellvertretender Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe.

 

 

Dieser Arzikel erschien in der Rhein-Neckar-Zeitung am 8. April 2016.

 

Mauer, Kötenwanderung
RNZ Artikel "Wenn Kröten wandern, herrscht Gegenverkehr!" von Jutta Trilsbach (08.04.2016)