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Der Biber ist wieder da!

Europas größtes Nagetier kehrt langsam aber sicher in die Region zurück und hinterlässt am Ufer der Elsenz eindeutige Spuren

von Christoph Moll (Rhein-Neckar-Zeitung)

 

Region Heidelberg. Nur wenige hatten bisher das Glück, ihn zu sehen. Aber die Spuren am Ufer der Eisenz in Mauer sind eindeutig: Der Biber ist wieder da. Europas größtes Nagetier, das hierzulande seit 180 Jahren als ausgerottet galt, wandert verstärkt aus Bayern und der Schweiz ein. Und diese „Migranten" fühlen sich jetzt offenbar auch in der Region „biberwohl".

 

Ein Spaziergänger aus Bammental staunte nicht schlecht, als er in der Nähe des Neubaugebietes in Mauer drei stark angenagte Baumstämme entdeckte. Über mehrere Wochen beobachtete er die Stelle. Mit der Zeit seien die Holzspäne am Boden immer zahlreicher und die Schäden an den über zehn Meter hohen Weiden immer größer geworden. Auch in der Eisenz liegen bereits zahlreiche angeknabberte Äste. Bernhard Budig hat keinen Zweifel. „Das war ein Biber", sagt der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe in Mauer. An den Stämmen erkenne man die kräftige Nagetätigkeit. Kein anderes Tier legt selbst große Bäume so schön um wie der Biber. Mit seinen kräftigen Zähnen nagt er ringsum so lange am Stamm, bis dieser die Form einer Sanduhr hat und umfällt. Der Vegetarier hat es auf die Knospen und die Rinde der kleinen Äste abgesehen. Er bevorzugt Bäume mit weichem Holz wie Pappeln und Weiden.

 

Ein weiteres Indiz: Vom Wasser führt eine „Schleifspur" zu den angenagten Bäumen. Bereits vor einiger Zeit entdeckte Naturschützer Budig kleinere Stämme mit Fraßspuren des Holzfällers. Anwohner wollen den Biber sogar schon bei der Arbeit beobachtet haben. Noch nicht entdeckt wurde hingegen seine

Erdhöhle, die sogenannte Biberburg, deren Eingang unter Wasser liegt. „Auch in Meckesheim und Neckargemünd wurde ein Biber gesichtet", berichtet Budig. Er glaubt, dass es sich hierbei aber nicht um den nachtaktiven Nager aus Mauer handelte. Das Revier eines Bibers ist nämlich „nur" ein bis drei Kilometer groß.

 

Dass sich der haarige Uferbewohner jetzt an Bäumen mit einem Durchmesser von einem Meter zu schaffen macht, lässt für Kreisnaturschutzwart Heiner Schmidt nur einen Schluss zu: „Der Biber will bleiben", sagt der Nußlocher. Schmidt vermutet, dass es sich in Mauer um ein männliches Tier handelt, das auf der Suche nach einem Weibchen ist, um eine Familie zu gründen. Die Naturschützer glauben zudem, dass der Elsenz-Biber über den Neckar den Weg nach Mauer fand. Vor Kurzem wurden Nager

in Eberbach und Mosbach gesichtet, ebenfalls am Altneckar in Mannheim. Die Chancen, dass sich der „Migrant" dauerhaft in der Region ansiedelt, sind groß. Natürliche Feinde hat er nämlich keine mehr. Wölfe, Bären und Luchse sind hierzulande bekanntlich ausgestorben. Der größte Feind ist der Mensch. Immer wieder werden Biber auf ihren Wandertouren auf Straßen von Autos überfahren.

 

Biber, die bis zu 30 Jahre alt und einen Meter lang werden können, sind besonders geschützt. Es ist verboten, sie zu fangen oder gar zu töten. Im 19. Jahrhundert war das noch anders: Der Biber wurde wegen seines dichten Fells gejagt. Auch das Fleisch war beliebt, denn der Nager galt als Fisch und durfte deshalb in der Fastenzeit verspeist werden. 1830 wurde der letzte Biber im Land erlegt. Jetzt ist er wieder da. Willkommen zurück.

 

Dieser Artikel erschien am 10./11. Dezember 2011 in der Rhein-Neckar-Zeitung.

   

Biber, Elsenz
Original RNZ Artikel "Der Biber ist wieder da!" von Christoph Moll