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Der Biber ist endgültig zurück

Auch in der Metropolregion gibt es bereits wieder "Biberburgen" und vielleicht bald "Biberhotels"

von Harald Berlinghof (Rhein-Neckar-Zeitung)

 

Rhein-Neckar. Landwirte und Biber werden vermutlich keine Freunde mehr. Nagt der Biber doch gerne an Bäumen - auch Obstbäumen - und gräbt er gerne Höhlen in den Uferbereich von Fließgewässern. Äpfel, Mais und Zuckerrüben schmecken dem putzmunteren Kerlchen nun einmal wesentlich besser als Wurzeln oder gar Baumrinde. Darüber hinaus können unterirdische Bibergänge im Uferbereich schweren Landmaschinen schaden. Doch das alles, glaubt zumindest der Biberexperte und Biologe Andreas Ness, ist in den Griff zu bekommen.

 

„Er ist wieder da", betont Ness. Auch in der Metropolregion Rhein-Neckar - bieten der Neckar und seine kleineren Zuflüsse doch in weiten Teilen günstige Lebensbedingungen für den völligen Vegetarier. Bereits in den 1970er Jahren wurde der Biber wieder in Südwürttemberg gesichtet. Heute ist er mit rund 1000 Biberburgen, in denen schätzungsweise 3000 Biber leben, in Baden- Württemberg vertreten. In der Metropolregion existieren laut Ness Biberburgen entlang des Neckars in Ilvesheim, am Wieblinger Wehrsteg und in Pleutersbach. Drei Burgen gibt es entlang der Elsenz, eine bei Mosbach.

 

Die Biber in unserer Region sind nicht über den Rhein aus der Schweiz zu uns eingewandert, sondern aus Bayern entlang der Donau, den Rhein-Main-Donau- Kanal sowie Kocher und Jagst.

 

Eine wirtschaftliche Bedeutung kommt dem Biber heute längst nicht mehr zu. Zu früheren Zeiten allerdings galt der Biberpelz als herausragender Schutz gegen die winterliche Kälte. Auch als Fleischersatz wurde dem Biber im ausgehenden Mittelalter während der Fastenzeit nachgestellt. Galt er doch aufgrund seiner Lebensweise und seinem haarlosen Biberschwanz den Fischen näher stehend als den Säugetieren und durfte daher mit katholischer Erlaubnis verspeist werden.

 

Jeder größere Bach, der nicht zu schnell fließt, ist für den Biber geeignet. Und wenn ihm die Umgebung nicht behagt, gestaltet er sich sein Revier einfach um. Genau das ist es, was ihn bei manchen Menschen unbeliebt macht. Bäume nagt er solange an, bis sie umstürzen. Das tut er einerseits, um an die Blätter und die dünneren Äste heran zu kommen, die ihm als Nahrung und als Baumaterial dienen. Er benötigt ein rund einen Meter tiefes Gewässer, das auch bei Wassertiefststand seinen unter Wasser gelegenen Eingang in den Bau nicht trocken legt. Durch Dammbauten „renaturiert" der Biber zu schnell abfließende Bäche und gestaltet eine ökologisch wertvolle, kleine „Auenlandschaft", die anderen - teilweise bedrohten - Tierarten die Chance zur Ansiedlung bietet.

 

Konflikte mit der Landwirtschaft ließen sich nach Ansicht von Ness lösen, wenn man dem Biber links und rechts der Gewässer eine zehn bis 20 Meter breite Gehölzzone überlassen würde. Mit von Menschenhand angebrachten „Biberhotels" ließe sich auch die Verbreitung und Ansiedlung des Nagers steuern. Dazu müsste man in die Uferzonen lediglich Betonröhren mit 50 Zentimetern Durchmesser und zwei Metern Länge einbauen, die gern vom Biber angenommen werden, so der Experte.

 

Dieser Artikel erschien am 24.11.2012 in der Rhein-Neckar-Zeitung.

 

Biber, Rhein-Neckar
Original RNZ Artikel "Der Biber ist endgültig zurück" von Harald Berlinghof