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Das Nest für Meister Adebar ist gemacht

Nabu errichtete auf einem alten Strommast ein Storchennest

von Roland Fink (Rhein-Neckar-Zeitung)

 

Mauer. (fi) Wenn Meister Adebar im nächsten Frühling in einer großen Schleife auf seine altvertrauten Areale in der Rheinebene und am Altrhein zurückkehrt, wird er zunächst stutzen. Vorausgesetzt, sein ruhiger Flug führt ihn über das Elsenztal. In der feuchten Elsenzaue des Wiesentales zwischen Mauer und Bammental hat die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) nun eine Nistgelegenheit für Weißstörche errichtet. "Nach dem Abbau der 20 Kilovolt-Freileitung und der Verlegung der Stromversorgung unter die Erde bot es sich an, auf einem der alten Masten ein Storchennest aufzubauen", sagt Bernhard Budig von der Nabu-Ortsgruppe.

 

Dass dieses Vorhaben beim Energieversorger Süwag und dessen Tochter Syna nicht auf taube Ohren stoßen würde, war klar. Dennoch musste die Gemeindeverwaltung noch einige Hürden nehmen, ehe der Versuch einer Wiederansiedlung von Störchen im Wiesental genehmigt werden konnte.

 

Zusammen mit Kurt Walda machten sich die Naturschützer an die Arbeit. Mit Obstreiser und Weidengeflecht wurde das große Nest gebaut. Die Männer der Süwag mussten noch einmal Kraftarbeit leisten, bevor ein Kran das große Nest mit einem Durchmesser von 1,30 Meter auf den elf Meter hohen Mast hievte. Die Isolatoren wurden zuvor abgebaut, diese Bohrungen sorgen nun für die sichere Verschraubung des Untergestells. Reinhard Scheffer und seine Leute vom Standort Bammental des Energieversorgers waren mit schwerem Gerät angefahren und Mauers Bürgermeister John Ehret hatte sogar eine Storchenattrappe dabei. "Ich hoffe, dass diese Aktion erfolgsversprechend verläuft", wünschte er dem Nabu vor Ort.

 

Es ist der erste Versuch, wieder Störche im Wiesental anzusiedeln, nachdem im Jahr 1954 der letzte Mauermer Storch einem Stromschlag zum Opfer fiel. Das kann jetzt zumindest im Wiesental nicht mehr passieren. Denn die Stromleitungen sind schließlich wie eingangs erwähnt abgebaut worden. Dieser letzte Vertreter aus der Familie der Schreitvögel wurde damals präpariert und ist in einer Bammentaler Schule zu sehen.

 

Wie der Nabu-Ortsvorsitzende Bernhard Budig mitteilte, ist landesweit eine Zunahme der Weißstorchpopulation zu beobachten. "Während der letzten 20 Jahre hat sich die Zahl der brütenden Paare versechsfacht, dennoch befindet sich der Storchenbestand auf einem niedrigen Niveau", sagte er. Und dieses könne nur durch aktiven Artenschutz gesteigert werden. Die Feuchtwiesen der Elsenzaue mit dem natürlichen Nahrungsangebot an Mäusen, Fröschen und Insekten bieten einen geeigneten Lebensraum. Täglich können Spaziergänger mehrere Graureiher bei der Nahrungssuche im Wiesental beobachten.

 

Ob nächstes Jahr ein Storch hinzukommt? Rainer Drös, stellvertretender Vorsitzender, hat bereits mehrmals Weißstörche während ihrer Rast in Mauer gesichtet, zuletzt vor einem Jahr, als ein Storch sogar auf dem Dach der Gaststätte "Krone Post" übernachtete. "Wir hoffen nun auf einen baldigen Bezug des neuen Nestes durch ein Storchenpaar." Die vorhandenen Strommasten werden abgebaut, sobald es eine Befahrung des Feuchtgebietes durch Frost zulässt.

 

Dieser Artikel erschien am 27.11.2012 in der Rhein-Neckar-Zeitung.

 

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Original RNZ Artikel "Das Nest für Meister Adebar ist gemacht" von Roland Fink